Fotos in Unterwäsche bleiben – auch nach dem Ende der „großen Liebe“

11.10.2019

Jugendämter und freie Verbände informierten über praktischen Kinder- und Jugendschutz im Internet – 150 Teilnehmer von Vereinen, Schulen und Jugendeinrichtungen erhielten im Haus der Evangelischen Kirche gute Tipps zum Umgang mit digitalen Medien

Veranstalter und Referenten der Veranstaltung "Vernetzt und zugenäht". (Foto: Caren Braun)

Wie können Kinder sich gegen Cyber-Mobbing in Sozialen Netzwerken wehren? Dürfen Sportvereine Fotos ihrer Veranstaltungen auf Facebook stellen? Und was passiert, wenn ein Mädchen das Bild eines Lehrers mit dem beleidigenden Kommentar „behinderter Lehrer ever“ verbreitet? Diese und andere Fragen zum Kinder- und Jugendschutz im Internet beantwortete am Mittwochabend die Info-Veranstaltung „Vernetzt und zugenäht“. Etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 70 Institutionen, Verbänden und Vereinen der Jugendhilfe sowie Schulen waren dazu ins Haus der Evangelischen Kirche in Aachen gekommen. Eingeladen hatten die Jugendämter der Stadt Aachen und der Städteregion sowie freie Verbände, darunter die evangelische Kirche.

Praktische Tipps für Kinder und Jugendliche

„Schon Grundschulkindern steht heute über Smartphones und Tablets oft die ganze Welt des Internets zur Verfügung, und sie nutzen das teilweise völlig unkontrolliert“, sagte Horst Hütten vom Jugendamt der Stadt Aachen. „Dass heute so viele Menschen hergekommen sind, zeigt uns, dass wir mit unserem Thema ins Schwarze getroffen haben.“ Wie der Umgang mit den digitalen Medien aus strafrechtlicher Sicht beurteilt wird, erklärte der Aachener Kriminalhauptkommissar Peter Arz sehr anschaulich. Dabei berichtete er unter anderem, dass eine 14-jährige Schülerin, die ihren Lehrer im Netz beleidigt hatte, zu 20 Stunden sozialer Arbeit verurteilt wurde und dass zwei 13-jährige Schüler sogar 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen mussten, weil sie einen anderen Jungen mit einem Youtube-Video verunglimpft hatten. Für Kinder und Jugendliche, die von Cyber-Mobbing betroffen sind, hatte der Polizist praktische Tipps, zum Beispiel: nicht auf die Angriffe reagieren, den Angreifer blockieren, Seitenanbieter über den Missbrauch informieren, Beweise sammeln, Unterstützer suchen und Strafanzeige erstatten.

Wichtig: Nie freizügige Fotos verschicken

Besonders wichtig sei es außerdem, so Arz, Teenagern klar zu machen, dass sie nie freizügige Fotos von sich verschicken sollten. „Wenn die große Liebe vorbei ist, sind die Fotos in Unterwäsche immer noch da, und dann wird’s kritisch“, sagte der Kriminalkommissar. „Wer glaubt, dass niemand die Fotos sehen wird, die man verschickt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten!“ Um zu verhindern, dass Fotos in unerwünschte Hände gelangen, sollten Kinder und Jugendliche wie auch erwachsene Internetnutzer in Social-Media-Portalen unbedingt die Privatsphäre-Einstellungen nutzen. Eltern könnten zwar nicht alles kontrollieren, was ihre Kinder im Internet tun. Durch eines können sie aber durchaus dazu beitragen, dass keine gefährlichen Situationen entstehen: „Redet miteinander! Bleibt mit den Kindern im Gespräch! Interessiert euch dafür, was sie gut finden und was sie posten!“

Facebook ist out, Instagram, WhatsApp und TikTok sind angesagt

Vereinen und Verbänden riet Social-Media-Manager Benjamin Wockenfuß, wie sie ihre Zielgruppen erreichen und soziale Medien rechtssicher nutzen können. „Wenn Sie nicht gerade eine Seniorengruppe verwalten, brauchen Sie keine Facebook-Seite“, sagte er provokant. „Die Jugendlichen sind dort heute eh nicht mehr.“ Bei den Kindern und Jugendlichen sei Instagram angesagt, Whatsapp und die App „TikTok“. „Wir wissen aber, dass Pädophilen-Netzwerke gerade auf TikTok junge Mädchen ansprechen und versuchen, von ihnen Bilder und Videos zu bekommen“, so Wockenfuß. Vereinen, die ihre Aktivitäten mit Bildern im Internet darstellen wollen, empfahl Wockenfuß unter anderem: Einwilligung der Eltern einholen, Bilder so kleinrechnen, dass sie für Pädophile nicht nutzbar sind und die Perspektive so wählen, dass Gesichter nicht frontal erkennbar sind.

"Kinder- und Jugendschutz ist für uns eine ständige Herausforderung"

Für Fragen stehen die Veranstalter auch nach dem Info-Abend jederzeit noch zur Verfügung. „Der Kinder- und Jugendschutz in der Gesellschaft ist für uns eine ständige Herausforderung“, sagte Axel Büker, Jugendreferent im Evangelischen Kirchenkreis Aachen. „Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche in Vereinen, Jugendeinrichtungen und Kirchengemeinden in angstfreier, beschützter Atmosphäre ihren Interessen nachgehen können. Das bleibt immer unsere Aufgabe.“ Wer mehr über Kinder- und Jugendschutz allgemein und im Internet erfahren will, findet Informationen auf der Seite des Aachener Netzwerkes: www.imblick.info

(Text und Fotos: Caren Braun)

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