Wieder zurück von #bisansmittelmeer

Was bleibt von 15 gemeinsamen Tagen unterwegs auf der Balkanroute? Über 60 Einträge im Blog, rund eineinhalb Terabyte Bild- und Ton-Material, persönliche Kontakte, viele prägende Erinnerungen und…

Fragen!

Am Anfang stand die Frage, wie derzeit die Situation auf der Balkanroute ist.

Darauf kann eine Antwort gegeben werden. Aber sie fällt ambivalent aus und hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. JA, die Balkanroute ist dicht. JA, es kommen immer noch Leute über die Route zu uns, aber die Hürden und persönlichen Risiken sind höher geworden. JA, es werden verschiedene Routen genutzt, aber die Ziele haben sich nicht geändert.

Was gelungen ist: Eine oberflächliche Ordnung zu schaffen. An den Grenzen, auf den Straßen sind wenige flüchtende Menschen zu sehen. Anders sieht es in den offiziellen Unterkünften aus. 600 Menschen harren in Serbien in einem der offiziellen Camps aus. Es gibt dort 16 weitere Lager. Nach Ungarn werden pro Woche nur 5 Personen eingelassen. In 39 Jahren und 3 Monaten hat sich die Situation also geklärt.

In Mazedonien gibt es offiziell keine Flüchtlinge mehr, da sie alle nur durch das Land nach Europa wollten und nur wenige geblieben sind. Aber pro Tag kommen 80-130 Personen auf dem Land oder Wasserweg in Griechenland an. Wie viele genau auf den griechischen Inseln leben, lässt sich nur schätzen. Diese Menschen bleiben nicht dort, sondern versuchen, sich auf den Weg zu machen. Auch durch Mazedonien.

Das führt zur nächsten Frage: Wenn das so ist, warum kriegen wir davon kaum etwas mit?

Die mediale Aufmerksamkeit wird von unterschiedlichen Faktoren gelenkt. Flüchtlinge zusammengepfercht auf Booten lassen sich besser filmen als Menschen, die eigentlich unentdeckt über eine Grenze kommen wollen. Sie wollen nach Deutschland oder in andere europäische Länder, wo sie hoffen, sich eine sichere Zukunft aufbauen zu können. Sie nutzen alle Wege, die es gibt. Gibt es keine offiziellen, finden sich andere. Freimütig wurde darüber berichtet. Sie vergleichen es mit „Ludo“, dem internationalen Namen von „Mensch-ärgere-dich-nicht“. Sie gehen los. Werden sie rausgeschmissen, also entdeckt und nach Hause geschickt, müssen sie nochmal von vorne anfangen. So lange, bis alle angekommen sind. Die Leute in den offiziellen Camps hoffen immer noch darauf, dass politische Lösungen gefunden werden.

Bleibt die Frage: Woran scheitern Lösungsansätze?

Die Erfahrung der Reise zeigt, dass es sehr unterschiedliche nationale Haltungen gibt. Aber vor allem die nationalistischen Parteien in Europa ziehen aus den Flüchtlingen ihre Existenzberechtigung. Denn Flüchtlinge werden zum Katalysator einer gemeinschaftlichen Identität, die für viele schon in Auflösung begriffen war. Dazu haben Individualisierung, Globalisierung und letztlich auch die EU geführt. Jede Entwicklung produziert neben Gewinnern auch Verlierer. Die Erfahrung der Verlierenden ist, dass ihre Existenz bedroht wird. Da man aber schlecht Trends oder große Strukturen verändern oder bekämpfen kann, eignen sich besonders Menschengruppen, um sich gegen diese abzugrenzen und sie verantwortlich für die eigene Situation zu machen. Man kann sich damit abfinden, Letzte*r zu sein, aber man möchte nicht gegen jemand verlieren, der später in das Spiel eingestiegen ist oder der vermeintlich die Regeln verändert.

Solange Flüchtlinge zur Legitimation der eigenen Machtinteressen gebraucht werden, wird sich dieses Problem nicht lösen lassen.

Aber was bringt dann so eine Reise?

Den anderen Blick. Es ist in den Blogeinträgen eindrücklich dokumentiert, dass sich der Blick von 25 Menschen, den Busfahrer eingeschlossen, erweitert und gewandelt hat. Dadurch verfängt bei ihnen nationale Rhetorik nicht mehr so leicht, weil sie ihr eigene Erfahrungen und Geschichten entgegensetzen können. Knapp 10.000 Zugriffe auf die Internetseite zeigen, dass sich für diese Geschichten auch andere interessieren. Es sind Kontakte entstanden, die über Ländergrenzen hinausreichen. Welche Begegnungen oder Projekte sich daraus für die Zukunft ergeben, lässt sich nicht vorhersagen. Sicher ist nur, dass es bei der einen Fahrt nicht bleiben wird.

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